Trio Opus 8 & Friends
Michael Hauber, Klavier
Eckhard Fischer, Violine
Mario De Secondi, Violoncello
Hanna Leonie Hauber, Violine
Roland Glassl, Viola
––– Programm
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Klavierquartett Es-Dur, KV 493
* Allegro
* Larghetto
* Allegretto
––– Pause
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Klavierquintett A-Dur, op. 81
* Allegro, ma non tanto
* Dumka. Andante con moto
* Scherzo (Furiant). Molto vivace – Poco tranquillo
* Finale. Allegro
––– Tickets –––––––––– Ticketlink folgt
Konzert ab € 35,–
Kulinarik € 45,-
Kulinarik: Im Anschluss an das Konzert. Apéro und 3-Gang Menü in der Genusswirtschaft im Löwen & Strauss.
Getränke extra. Vegetarisch oder vegan auf Anfrage. Die Kulinarik ist ausschließlich über das Festivalbüro zusammen mit einer Konzertkarte erhältlich.
Erläuterungen
zu Mozart Klavierquartett KV 493:
Mozart schrieb seine beiden einzigen Klavierquartette in den Jahren 1785/86 in Wien. Sie sind die ersten bedeutenden Beispiele einer Gattung, die zu seiner Zeit noch jung und dem Wiener Publikum wenig vertraut war. Dies mag erklären, warum der Verleger Franz Anton Hoffmeister, der den Komponisten ursprünglich um drei Klavierquartette zur Veröffentlichung gebeten hatte, von diesem Auftrag zurücktrat, als sich das erste von Mozart gelieferte Quartett in g-Moll nur schlecht verkaufte. Das zweite, in unserem Konzert gespielte in Es-Dur übernahm Hoffmeister nicht mehr in seinen Verlag, obwohl er die Violinstimme bereits hatte in Kupfer stechen lassen. Er verkaufte die fertigen Druckplatten an seinen Konkurrenten Artaria, bei dem das Werk denn auch 1786 erschien.
Komponiert wurde das Es-Dur-Quartett, wie die Köchelverzeichnis-Nummer 493 zeigt, unmittelbar nach dem Abschluss der Oper Le nozze di Figaro, KV 492, im Mai und Juni 1786. Im Gegensatz zu dem hermetisch strengen g-Moll-Quartett wirkt das Es-Dur-Werk freundlicher und im Gestus konzertanter, mehr auf die solistischen Qualitäten des Klaviers konzentriert; es ist jedoch keineswegs weniger anspruchsvoll. Seine thematische Anlage wirkt ebenso verschwenderisch wie die des früheren Werkes – im ersten Satz gibt es allein fünf verschiedene, melodisch weit ausgesponnene Themen. Der Ausdruck ist sehr individuell, voll lyrischer Zwischentöne, besonders in den Seitenthemen des ersten Satzes und im Larghetto, das zu Mozarts schönsten langsamen Sätzen gehört. Auffällig ist die konsequente Gegenüberstellung von Klavier und Streichtrio, so etwa gleich zu Beginn des Allegros, wenn nach dem furiosen Tutti-Einstieg Klavier und Streicher in einer zurückgenommenen Passage dialogisieren. Gegenstand ihres Dialogs ist im weiteren Verlauf des Satzes ein Überleitungsmotiv mit Schleifer, das alle Teile der Sonatenform bis zur Coda durchdringt.
Das motivische Spiel zwischen Klavier und Streichern setzt sich im Larghetto fort, getragen vom „sprechenden“ Ausdruck des absteigenden Kopfmotivs und seiner affekthaften Punktierung mit Schleifer. Besonders beeindruckend sind in diesem Satz die tiefliegenden Modulationspassagen der Durchführung, die Stimmungen der Romantik vorwegzunehmen scheinen. Das Finale in der Form eines Sonatenrondos ist einer der großartigsten Versuche Mozarts, den Stil der Opera buffa mit dem anspruchsvollen Charakter klassischer Kammermusik zu verbinden. Der modulatorische Reichtum und die subtile motivisch-thematische Arbeit des Satzes erinnern an die großen Finali des 2. und 4. Aktes von Le nozze di Figaro, eine Affinität, die auch in den melodischen Wendungen zum Vorschein kommt.
zu ANTONIN DVORAK
Klavierquintett A-Dur, op. 81
Die Entstehung von Dvoraks zweitem Klavierquintett verdanken wir einem Zufall. Als der Komponist 1887 beim Kramen auf die Partitur seines frühen Klavierquintetts, op. 5, stieß, war er mit dessen Qualität so unzufrieden, dass er ein neues Werk in gleicher Besetzung, Tonart und Anlage schrieb. Einer überspitzten Form der Anekdote zufolge konnte er das frühere Werk gar nicht erst finden und entschloss sich deshalb kurzerhand zur Neukomposition. Im August 1887 begann er das neue Quintett, im Januar 1888 wurde es in Prag uraufgeführt. Die englische Erstaufführung in London vier Monate später verhalf dem Quintett sofort zum internationalen Durchbruch.
Bis heute ist es eines der meistgespielten des Komponisten, denn es repräsentiert das Paradigma seiner Kammermusik: reiche melodische Erfindung, üppiger Klang, meisterliche Form, Volkstümlichkeit neben spätromantischem Pathos, tschechische Einflüsse, die sich in den Titeln der Mittelsätze niederschlagen.
Nahtlos reiht sich das Quintett in die große Reihe romantischer Klavierquintette von Schubert, Schumann, Brahms und Franck ein, die Höhepunkte im Schaffen ihrer Komponisten bilden; so auch bei Dvorak. Dessen Quintett wirkt wie der Versuch einer Synthese aus dem naiv strömenden Lyrismus des Forellenquintetts und dem symphonischen Charakter des Brahms-Quintetts. Gleich der Beginn des 1. Satzes – einer der bezaubernsten Einstiege der gesamten Kammermusik – stellt ein Schubertisches Cellothema einem symphonischen Tutti nach dem Vorbild von Brahms gegenüber. Ihm folgen: ein leggiero-Thema in a-Moll, ein der Bratsche zugewiesenes, wehmütiges Seitenthema in cis-Moll und eine aus diesem abgeleitete Schlussgruppe. Die Themen werden in einer Sonatenform von monumentalen Ausmaßen verarbeitet, wobei ein Zitat aus dem A-Dur-Kavierquartett von Brahms auf das Vorbild dieses Satzes verweist. Besonders hervorzuheben sind die harmonischen Ausweichungen in der Durchführung, die bis nach es-Moll und Ces-Dur führen, und die großartig gesteigerte Reprise des Hauptthemas.
In den Mittelsätzen knüpfte Dvorak an sein neun Jahre früher komponiertes Streichsextett in A und an das Quartett Opus 51 an. Wie dort, so ist auch hier das Adagio eine Dumka, wie im Sextett das Scherzo ein Furlant. Die Dumka ist – wie schon erwähnt – ein ukrainischer Volkstanz, für den der Wechsel zwischen Iamgsamen, melancholischen Teilen und schnellen Tanzabschnitten typisch ist. In der Dumka des Klavierquintetts hat Dvorak außerdem einen halbschnellen Zwischenteil eingefügt, der durch seine eigenartigen Klangmischungen zwischen Klavier und Streichern fasziniert. Das Thema der langsamen Teile ist von unwiderstehlicher Schönheit, die freilich einiges der berühmten Marcia funebre aus Schumanns Klavierquintett verdankt.
Der Furiant des dritten Satzes ist ein tschechischer Volkstanz im schnellen Dreiertakt, der im Trio auf wundersame Weise in ein Lyrisches Stück im Stile Griegs verwandelt wird. Das Finale konkurriert nicht mit dem Kopfsatz, sondern gibt sich als schwungvolle Polka mit kunstvoller Fugato-Durchführung.
von Karl Böhmer